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Divecheck Palau:

Rock Islands PalauEine Tauchreise zum Ende des Regenbogens

Etwa 1.500 Kilometer südöstlich der Philippinen liegt der Inselstaat Palau. Hier prallen die philippinische und die pazifische (tektonischen) Platten aufeinander und schufen neben den zauberhaften Vulkaninseln auch den 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden tiefsten Punkt der Erde.

Wie an einer Perlenkette aufgereiht dümpeln hier Inseln und Atolle, Palau bildet mit seinen 350 vielen kleinen und sehr wenigen grösseren Inseln den Abschluss am südlichen Ende des Marianengrabens.

Die ehemalige deutsche Kolonie (1884-1919) ist seit 1994 ein unabhängiger Staat und gehört zu dem Inselmeer Mikronesien, das über 2.000 tropische Inseln und Atolle umfasst.
Es ist nicht einfach, hierher zu gelangen, wer beispielsweise von Frankfurt über Dubai und Manila nach Koror fliegt, hat in 2 Tagen ca. 13.500 Kilometer hinter sich gebracht. Jetzt ist es bei einer Luftfeuchtigkeit von 80% mit 27° C angenehm warm, zumal eine beständige Meeresbrise weht. Es hat gerade geregnet. Also hier hat es geregnet. Dermot, General Manager von „Sam‘s Tours“, der uns vom Hotel zu seiner Tauchbasis fährt, kommt gerade aus dem Norden der Hauptinsel Babeldaob - da ist es schon den ganzen Tag trocken. Wir sind am Äquator, da ist das eben so.

Ich bin Palau Fan. Nicht nur Taucher sind fasziniert von der alles erschlagenden Vielfalt der Unterwasserwelt rund um die Rock Islands - viele Wissenschaftler halten den maritimen Kosmos des Pazifikatolls für das grösste Wunder der Meere. Blue Hole, German Channel, Chandelier Cave, Turtle Cove, Big Drop-off sind nur einige der Spots, die Taucherherzen höher schlagen lassen und sie alle wären einer detaillierten Beschreibung wert. Ich will von zwei meiner Highlights berichten. Blue Corner und den weltberühmten Jellyfish-Lake.

Nach 45 Minuten Bootsfahrt erreichen wir das südliche Ende von Blue Corner. Das Briefing ist kurz: wenn die Anweisung kommt, den Riffhaken im Untergrund zu fixieren, einfach machen. Nicht diskutieren.

Wir tauchen in einiger Entfernung zur Riffkante auf 25 Meter ab und schwimmen der Blue Corner entgegen. Dort angekommen, mit sehr wenig Luft in der Weste, nähern wir uns dem eigentlichen Abriss quer zur Strömung tief am Grund. Selbst hier ist die Strömung mörderisch. Ich bin dankbar, als endlich das Signal zum Einhaken kommt. Und ich diskutiere nicht. Wer sich nicht rechtzeitig einhakt, wird einfach davon geblasen. Das Seil spult sich einen Meter weit vom Haken, ich fülle die Weste halb mit Luft und schwebe nun mit dem Riff im Rücken und dem Blauwasser vor mir über der Riffkante.

Kino. Graue Riffhaie patrouillieren in gemessenen Abstand von rechts nach links an mir vorbei. Etwas weiter weg ein Adlerrochen, dann ein Stachelrochen. Barrakudas. Makrelen. Eine Schildkröte. Das Wasser ist nährstoffreich, hier jagt jeder. Und wird gejagt.

Bluecorner PalauIch sehe zu meinem Buddy hinüber, deren Luftblasen waagerecht verwirbelt davon getragen werden und kann einen riesigen Napoleonfisch beobachten, der keine zwei Meter hinter meiner Frau seine Runden zieht. Der rechte Zeigefinger über dem Auslöser der Kamera bekommt einen Krampf. Ob der Speicher reicht?

Dann ist der Spass vorbei. Luft aus der Jacke lassen, Haken lösen und wir treiben mit ordentlicher Geschwindigkeit über das Riffdach in ruhigere Gewässer, dem wartenden Boot entgegen. Quasi auf dem Heimweg kann man nun die vielen kleinen und grossen Besonderheiten eines tropischen Korallenriffs beobachten: Schwert- und Wächtergrundeln, Muränen, Anemonenfische und vieles mehr, Hart-und Weichkorallen aller Art. Man treibt, zunehmend gemächlich, an allem vorbei und beginnt in Ruhe den Aufstieg.

Heute gehen wir nicht mehr tauchen. Wir schnorcheln.

Wenn man den Anlieger der Insel Mecherchar erreicht hat, weisen Schilder darauf hin, dass man sich in einem Naturschutzgebiet befindet. Der Weg zu dem weltberühmten See Ongeim'l Tketau ist dann auch beschwerlich, wir sind in der Wildnis, nicht im Zoo. Es geht, mit Brille, Schnorchel und Flossen bewaffnet, ca. 30 Minuten über zwei steile Hügel durch den Dschungel, bis man die im See vertäute Plattform erreicht.

Das ist es also, das wohl ungewöhnlichste und zugleich berühmteste Ökosystem Palaus. Still und glatt liegt es vor einem, wie ein bayerischer Bergsee. Wer nach dem anstrengenden Fußmarsch dankbar einen kräftigen Schluck des kühlen Nass zu sich nimmt, hat wahrscheinlich für den Rest des Tages von allem genug: der Jellyfish-Lake ist ein Salzwassersee.

Jellyfish Lake Palau

Wir schnorcheln, den Blick auf den Seegrund gerichtet, eine Weile auf den See hinaus. Dann bricht die Sonne durch die Wolken und beleuchtet Teile der Wasseroberfläche wie ein Scheinwerfer. Genau dorthin führt uns nun der Guide.


Und plötzlich sind sie da. Man muss als Taucher schon ausreichend auf dieses erste Zusammentreffen vorbereitet sein: wer im offenen Meer Quallen begegnet, meidet sie mit grossem Abstand, denn viele Arten sind gefährlich. Eine Berührung der Tentakel mit ihren tausenden Nesselzellen, mit deren Hilfe die Qualle ihre Beute tötet und sich vor Feinden schützt, können für den Menschen unerträgliche Schmerzen, Blutvergiftung, Hautverbrennungen und manchmal den Tod bedeuten.

Warum sind wir dann hier? Weil es im Jellyfish-Lake genau anders herum ist. Die weisslich, blassgelbe Mastigias Medusae Qualle (eine neue Unterart der Mastigias Papua) des Ongeim'l Tketau ist völlig ungiftig. Sie hat in diesem vom Meer abgetrennten Gewässer keine natürlichen Feinde. Zu ihrer Ernährung verwendet sie einzellige Organismen, die wiederum von einer Algenart leben. Deswegen sind die Quallen auch immer gerade dort, wo die Sonne intensiv auf den See scheint, sie trägt ihre Mitbewohner zur Photosynthese ins Licht. Denn diese Mikroorganismen haften der Qualle an.
Es gibt viele. Sehr viele. Man schätzt, dass ca. 15 Millionen dieser Tiere in dem See leben. Das glaubt man auch ohne nachzuzählen, wenn man zwischen, über und unter zig Tausenden von ihnen umher schwimmt. Ein einzigartiges Erlebnis, dass man auf keinen Fall auslassen sollte.

Sams Tour's PalauDer Kopf ist voller Eindrücke, der Speicher der Kamera auch. Leer sind Druckflaschen, Akkus und der Magen, denn das Mittagessen auf dem Boot ist schon wieder eine ganze Weile her. Zurück zu Sam‘s Tours, unserer Tauchbasis. Hier gibt es alles, was man als Taucher braucht. Die 2007 komplett renovierte Anlage verfügt über einen Shop, eine Bar mit Snacks und Getränken, einem Fachmann für Unterwasserfotografie, Ladestationen, Trockenräume, Nitrox, Stahl- und Aluminiumflaschen unterschiedlicher Grössen mit DIN und INT Anschlüssen.
Zertifizierte Nitrox-Taucher bekommen bei Sam's Tours übrigens die Nitrox-Füllung gratis. Ebenso ist der Ausflug zum Jellyfish-Lake im Preis des Tauchpaketes inbegriffen.
Und jede Menge Informationen zur Fotografie, den Wracks, Höhlen und Steilwänden. Sei es durch die mehrsprachigen Angestellten oder die grossen Informationstafeln zu jedem Tauchspot, auf der man sich dann auch gleich für den nächsten Tag eintragen lassen kann.

Tauchplanung

Was man dann auch tut.

Info:
Palau liegt 7 Breitengrade nördlich des Äquators und hat somit das ganze Jahr über relative konstante Temperaturen um die 27° Celsius herum.
Es kann das ganze Jahr hindurch mit Regen gerechnet werden, für uns auch neu war die örtliche Interpration von "isolierten Schauern", die hier durchaus so ausfallen können, daß es an einem Ort auf Palau regnet, 10 Kilometer weiter hingegen nicht. Von Juli bis Oktober fällt in der Regel mehr Regen als in den anderen Monaten.
Die beste Zeit zum Tauchen ist zwischen November und Anfang Juni. Die Wassertemperatur liegt ebenfalls ganzjährig bei ca. 27° Celsius, so daß man mit einem 3mm-Anzug prima zurechtkommt.
Das Tauchen auf Palau ist stellenweise anspruchsvoll, die Tauchbasis achtet jedoch auf eine gleichmässige Zusammenstellung der Tauchboote nach Erfahrung und wählt die Tauchspots entsprechend aus. An der Blue Corner, der Peleliu Corner sowie dem Peleliu Express können teilweise sehr heftige Strömungen auftreten.
Die Sonneneinstrahlung ist sehr intensiv, es wird also dringend zu Sonnencrème mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor sowie häufigem Nachcremen geraten. Insbesondere während der Bootsfahrten zu den Tauchspots fühlt man die intensive Sonne wegen des Fahrtwindes nicht so sehr.

(Text: ch, Bilder: ch, jh)

Tauchbasis:
Sam's Tours
Box 7076
Koror, Palau
PW 96940Palau
Tel. +680-488-7267; Fax +680-488-5003
www.samstours.com
Sam's Tours Blog

Bis auf eine Ausnahme hat kein Hotel auf Palau eine eigene Tauchbasis, so daß alle Tauchbasen Vereinbarungen mit den umliegenden Hotels haben, die im Paket mit den Tauchgängen zusammen gebucht werden können. Die Unterkünfte reichen von preiswert bis exklusiv. Für budgetbewußte Taucher ist zum Beispiel das West Plaza Malakal zu empfehlen, daß sauber ist und sehr große Zimmer hat und von der Tauchbasis aus bequem zu Fuß erreicht werden kann.
Etwas komfortabler und mit einem wunderschönen Ausblick über die Bucht versehen ist das Cliff Side Resort, das auch über eine Swimming Pool verfügt.
Im Ort gibt es diverse Möglichkeiten, abends gut und abwechslungsreich zu essen, die Kosten für die Taxifahrt vom Hotel zur Stadmitte liegen bei ca. 5-10 US$ pro Strecke.
Die Reiseplaner Insider-Tip: das Buttered Chicken im Taj Restaurant (indisch)!!!


Wussten Sie, daß...

...Palau erst seit 1994 ein eigenständiger Staat ist?

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